Von Goethes Hämorrhoiden, philosophierenden Cowboys, schwarzen Schwänen und einer Lottogewinn-Selbsthilfegruppe

Das 34. LiteraTurnier wurde am Aschermittwoch vom Förderverein der Stadtbücherei Werne in Zusammenarbeit mit Bücher Beckmann unter dem Motto „DIÄT – Dünn ist äußerst toll“ präsentiert. Bücher, die sich bis auf eins durch wenige Seiten, die es aber in sich hatten, auszeichneten. Im Wohnzimmer der Bücherei lauschten langjährige Fans und neue Zuschauende den Kommentaren der Protagonisten.

Marks berichtete über Jocelyne, die in „Alle meine Träume“ von Grégoire Delacourt einer Selbsthilfegruppe anonymer Lottogewinner beitritt, während ihr Mann die im Schuh versteckten Millionen findet und erstmal damit verschwindet. Die Protagonisten und Zuschauenden sinnierten darüber, was man Sinnvolles damit anstellen könnte. Am Ende stand für Marks fest, man braucht nicht so viel Geld, wenn man gute Menschen um sich hat. Denn, so Burmann, es sei unfassbar, was Geld häufig aus Menschen mache.

Die Vertretung für die angekündigte Jenny Heimann, übernahm Waterhues. Er stellte von Theres Essmann die Novelle „Schwarzer Schwan“ vor. Dies kündet von einem unvorhergesehenen Ereignis, und so kommen sich ein Taxifahrer und ein wortkarger Paganini-Fan als Fahrgast näher. Doch das wenige, das der Fahrgast sagt, ist so pointiert, dass es den Fahrer mit seinem Problem weiterbringt. Lesenden beschere es zwar nur einen Nachmittag Lesevergnügen, sie benötigten allerdings drei Wochen zum Verarbeiten, so Waterhues. Und der Kommentar eines Rezensenten, dass der Buchinhalt über dem Herzen ruhe, veranlasste Vatheuer zu der Anmerkung, dass er jedes Buch über dem Herzen trage, da er beim Lesen immer einschlafe.

Vom philosophisch-mystischen Wild-West-Roman „Abel“ von Alessandro Baricco erzählte Liane Jäger in Cowgirl-Manier, dass er schwer zu verstehen sei – metaphysisch eben. Alle, bis auf den davon begeisterten Waterhues, stimmten ihr zu, was sogar zu einem Duell zwischen ihm und Vatheuer führte. Marks meinte, durch die jahrelange Buch-Entstehung sei es eben wie Pistolenschüsse – ohne logische Verknüpfung.

„Rauch und Schall“ von Charles Lewinsky war ein Roman ganz nach Burmanns Geschmack. Werde doch darin Goethes Denkmal vom Sockel gestürzt und dieser zu einem ganz normalen Menschen. Allein schon durch die Eingangsbeschreibung einer Kutschfahrt, die für den von Hämorrhoiden gepeinigten Goethe zur Odyssee gerät. An einer Schreibblockade wie Goethe leidet der Autor jedenfalls nicht, was u. a. eine Domino-Effekt-Episode auf dem Friedhof bis hin zum am Ende senkrecht im Grab stehenden Sarg anschaulich und lustig demonstriert. Liane Jäger kommentierte es mit deftig, köstlich, amüsant.

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